Zwischen Obstbäumen, Brennerei und Trockenheit

Stefanie Wernet MdL besucht Helmut Bührer in Freiamt und spricht über Trockenheit, Brennereitradition und die Zukunft bäuerlicher Betriebe

Freiamt. Wer durch Freiamt fährt, sieht Wiesen, Obstbäume und Höfe, die das Landschaftsbild seit Generationen prägen. Dass diese Kulturlandschaft nicht von selbst entsteht, sondern bewirtschaftet und gepflegt werden muss, zeigte sich beim Besuch der Landtagsabgeordneten Stefanie Wernet auf dem Hof von Helmut Bührer am Glasig.

Bührer nahm die Abgeordnete mit über den Hof und zu seinen Obstbäumen. Äpfel und anderes heimisches Obst gehören ebenso zum Betrieb wie die Verarbeitung der Früchte. Auch die traditionelle Brennerei ist Teil des Hofes. Für Wernet zeigt sich darin beispielhaft, wie Landwirtschaft im Schwarzwald vielerorts funktioniert. Nicht in einem einzigen Betriebszweig, sondern im Zusammenspiel verschiedener Tätigkeiten, die sich über Generationen entwickelt haben. „Wenn wir von unserer Kulturlandschaft sprechen, sprechen wir über diejenigen, die sie jeden Tag erhalten“, sagte Wernet. „Die Obstbäume, Wiesen und bewirtschafteten Hänge, die für uns ganz selbstverständlich zu unserer Heimat gehören, sind das Ergebnis von viel Arbeit.“ Gerade die Verbindung von Obstbau und Brennereiwesen haben bei uns daheim im Schwarzwald eine lange Tradition. Was auf den eigenen Flächen wächst, wird genutzt und veredelt. Das schafft regionale Wertschöpfung und trägt zugleich dazu bei, Obstbestände zu erhalten.

Doch die Bedingungen verändern sich. Beim Rundgang wurde schnell deutlich, wie sehr Trockenheit, hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung inzwischen auch den Obstbau beschäftigen. Früchte können Sonnenbrandschäden bekommen, Böden trocknen schneller aus und in entscheidenden Wachstumsphasen fehlt mitunter das notwendige Wasser. „Es geht nicht darum, möglichst viel Wasser einzusetzen“, sagte Wernet. „Entscheidend ist, dass es dann zur Verfügung steht, wenn die Pflanzen es tatsächlich brauchen. Wenn über längere Zeit Regen fehlt und gleichzeitig große Hitze herrscht, kann das für einen Betrieb innerhalb kurzer Zeit erhebliche Folgen haben.“

Die Frage, wie Wasser in niederschlagsreicheren Zeiten zurückgehalten und später gezielt eingesetzt werden kann, beschäftigt Wernet deshalb bereits seit mehreren Wochen. Ähnliche Rückmeldungen erhält sie auch aus anderen Teilen des Landkreises. Ein Erwerbsobstbaubetrieb aus Denzlingen berichtete ihr unter anderem von zunehmenden Hitze und Sonnenbrandschäden an den Früchten und von der wachsenden Bedeutung einer verlässlichen Wasserversorgung. Auch mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband steht Wernet dazu im Austausch. Den Emmendinger Kreisverband und die Geschäftsstelle hatte sie ausdrücklich gebeten, ihr Erfahrungen und konkrete Probleme aus den Betrieben zu übermitteln.  „Solche Gespräche sind für meine Arbeit wichtig, weil die Herausforderungen zwar häufig ähnlich sind, die Voraussetzungen vor Ort aber völlig unterschiedlich sein können“, sagte Wernet. „Was für einen Betrieb in der Rheinebene eine gute Lösung ist, muss auf einem Schwarzwaldhof noch lange nicht funktionieren.“

Als Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion für Obstbau und Mitglied des Ausschusses für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat hat Wernet die Rückmeldungen aus den Betrieben inzwischen auch gegenüber dem zuständigen Ministerium aufgegriffen. Dabei will sie die Diskussion nicht auf die Wasserversorgung beschränken. Wetterrisiken, Pflanzenschutz, steigende Produktionskosten, Arbeitskräfte, Investitionen und bürokratische Vorgaben seien für viele Betriebe ebenso entscheidend.

Der Besuch bei Bührer habe zugleich noch einmal gezeigt, dass es beim Obstbau um mehr gehe als allein um Ertrag und Produktion. Gerade auf den Schwarzwaldhöfen seien Landwirtschaft und Landschaftspflege eng miteinander verbunden. Wo Obstbäume nicht mehr gepflegt und Flächen nicht mehr bewirtschaftet würden, verändere sich auf Dauer auch das Gesicht der Region. „Eine Landschaft bleibt nicht deshalb erhalten, weil wir sie schön finden“, sagte Wernet. „Es braucht Menschen, die sie bewirtschaften und die mit ihrer Arbeit auch wirtschaftlich eine Perspektive haben.“ Deshalb müsse Politik vor allem dafür sorgen, dass Betriebe unter verlässlichen und praktikablen Bedingungen arbeiten könnten. Dazu gehörten langfristige Lösungen für die Wasserversorgung ebenso wie vernünftige Rahmenbedingungen für regionale Verarbeitung und Vermarktung.

Für Wernet liegt darin auch die Bedeutung traditioneller Strukturen wie der bäuerlichen Brennereien. Sie seien nicht bloß Teil der Geschichte des Schwarzwalds, sondern bis heute ein Baustein regionaler Wertschöpfung und der Verwertung heimischen Obstes. „Unsere Obstbauern erwarten keine Sonderbehandlung“, sagte Wernet. „Sie wollen ihre Betriebe vernünftig weiterführen, hochwertige Lebensmittel erzeugen und das erhalten, was Generationen vor ihnen aufgebaut haben. Dafür brauchen sie Rahmenbedingungen, die auch in der Praxis funktionieren.“

Die Erfahrungen aus Freiamt will Wernet nun ebenso wie die Rückmeldungen aus anderen Betrieben in ihre weitere parlamentarische Arbeit einbringen. „Der heimische Obstbau gehört zu unserer Region. Er prägt unsere Landschaft, schafft Wertschöpfung und steht für Lebensmittel, die unmittelbar vor unserer Haustür erzeugt werden. Wenn das auch in Zukunft so bleiben soll, müssen wir heute dafür die richtigen Voraussetzungen schaffen.“

Bild: Stefanie Wernet MdL und Helmut Bührer auf dem Hof am Glasig in Freiamt.

05.09.2026