MLR legt auf Antrag der CDU-Landtagsabgeordneten Stefanie Wernet Zahlen zu Preisen, Pflanzenschutz, Saisonarbeit und Wetterrisiken vor

Stuttgart/Emmendingen. Äpfel, Kirschen und Zwetschgen aus Baden-Württemberg gehören für viele Verbraucherinnen und Verbraucher selbstverständlich zum regionalen Angebot. Doch die Produktion dieser Kulturen wird für die Betriebe zunehmend schwieriger. Das zeigt die Antwort des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) auf den Antrag der Landtagsabgeordneten Stefanie Wernet zur Zukunft des Erwerbsobstbaus. Sinkende Erzeugerpreise treffen auf gestiegene Lohn- und Betriebsmittelkosten, gleichzeitig werden die Möglichkeiten beim Pflanzenschutz knapper und Wetterextreme erschweren die Planung zusätzlich.
Wie stark der Preisdruck ist, zeigen die Zahlen für Tafeläpfel in der vom MLR beispielhaft betrachteten Obstregion Bodensee. In der Saison 2025/26 wurden dort rund sechs Prozent weniger Äpfel vermarktet als im Vorjahr. Der durchschnittliche Vermarktungspreis sank gleichzeitig um 23,8 Prozent auf 58,98 Euro je Dezitonne. Die Erlöse gingen von 79,5 auf 56,9 Millionen Euro zurück. Auch bei Süßkirschen und Zwetschgen lagen die Preise unter dem jeweiligen Vorjahreswert. „Hinter diesen Zahlen stehen Betriebe, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass Obst aus der Region bei uns angebaut und vermarktet werden kann. Wenn die Preise deutlich zurückgehen und gleichzeitig die Kosten steigen, wird es schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten und in die Zukunft des Betriebs zu investieren. Wir müssen deshalb genau hinschauen, wie wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Obstbaubetriebe erhalten können“, sagt Wernet.
Eine besondere Herausforderung ist dabei der Pflanzenschutz. Nach Angaben des Ministeriums nehmen die sogenannten Indikationslücken im Obstbau seit Jahren zu. Wichtige Pflanzenschutzmittel sind weggefallen, weitere werden künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Für den Kernobstbau bezeichnet das MLR die Situation als kritisch. Rund die Hälfte der derzeit zugelassenen Anwendungen im Obstbau beruht nach Angaben des Ministeriums inzwischen auf Lückenindikationen. „Ein Apfel oder eine Kirsche muss gesund durch die Saison kommen, bevor sie überhaupt geerntet werden kann. Die Betriebe brauchen deshalb verlässliche und wirksame Möglichkeiten, ihre Kulturen zu schützen. Notfallzulassungen können in einer konkreten Situation helfen, sie dürfen aber nicht zur Dauerlösung werden. Deshalb müssen wir bei Forschung, Zulassung und praxistauglichen Alternativen schneller werden“, erklärt Wernet.
Mit den veränderten Bedingungen in der Produktion verändert sich auch die Ernte. Durch verschobene und teilweise längere Erntefenster müssen Betriebe Arbeitskräfte über einen längeren Zeitraum einsetzen können. Die seit diesem Jahr mögliche Beschäftigung von Saisonarbeitskräften für bis zu 90 statt bisher 70 Arbeitstage bewertet das MLR deshalb ausdrücklich als „elementaren und längst überfälligen Schritt“. „Gerade im Obstbau kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Wenn mehrere Kulturen nacheinander geerntet werden und sich die Erntefenster verschieben, brauchen die Betriebe die Möglichkeit, erfahrene Saisonarbeitskräfte länger zu beschäftigen. Die 90-Tage-Regelung ist ein gutes Beispiel dafür, wie mehr Flexibilität und damit ein Stück Planungssicherheit geschaffen werden kann“, so Wernet.
Auch das Risiko durch Wetterextreme lässt sich für die Betriebe nicht mehr ausblenden. Bei der geförderten Mehrgefahrenversicherung ist die Zahl der Anträge für Kern- und Steinobst von 382 im Jahr 2025 auf 339 im Jahr 2026 zurückgegangen. Die versicherte Fläche sank von 4.794 auf 4.034 Hektar. Das gilt, obwohl die Förderung 2026 um das Risiko Hagel erweitert wurde. Als Herausforderungen nennt das Ministerium unter anderem hohe Versicherungsprämien, das Risiko großflächiger Schäden und bei Indexversicherungen das sogenannte Basisrisiko. Gleichzeitig prüft das Land eine Ausweitung der Absicherung auf weitere Risiken wie Trockenheit. „Wenn ein Frostereignis oder Hagel innerhalb kurzer Zeit große Teile einer Ernte zerstört, kann das für einen Betrieb existenzbedrohend sein. Deshalb brauchen wir eine Vorsorge, die für die Betriebe auch finanzierbar ist. Die Mehrgefahrenversicherung ist dabei ein wichtiger Baustein. Gleichzeitig müssen wir die Betriebe dabei unterstützen, Schäden durch Bewässerung, Hagel- und Frostschutz und moderne Technik möglichst zu vermeiden oder zu begrenzen“, betont Wernet.
Für Wernet gehören wirtschaftliche Perspektive und Anpassung an neue Bedingungen deshalb zusammen. Das Land fördert bereits unter anderem wassersparende Bewässerung, Hagel- und Frostschutz sowie moderne Pflanzenschutztechnik und verweist außerdem auf Forschungsprojekte zu Automatisierung, Robotik und präziserem Pflanzenschutz.
„Unser Ziel muss sein, dass sich Obstbau in Baden-Württemberg auch künftig rechnet. Dafür brauchen die Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen, praxistaugliche Förderprogramme und weniger unnötige Bürokratie. Gleichzeitig müssen wir die Chancen nutzen, die neue Technik und Forschung bieten. Präzisere Verfahren können helfen, Ressourcen zu sparen, Arbeitsabläufe zu erleichtern und die Betriebe widerstandsfähiger zu machen. So können wir unsere regionale Lebensmittelproduktion erhalten und zugleich Landwirtschaft und Umwelt zusammen denken“, sagt Wernet. Mit ihrem Antrag wollte Wernet deshalb nicht nur die aktuelle wirtschaftliche Lage erfassen, sondern auch konkrete Ansatzpunkte für die Zukunft des Erwerbsobstbaus aufzeigen. Für sie ist entscheidend, dass die Betriebe auf Veränderungen reagieren können, ohne dabei ihre wirtschaftliche Grundlage zu verlieren. „Unsere Obstbäuerinnen und Obstbauern können nicht auf jede Entwicklung selbst Einfluss nehmen. Aber wir können die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie handlungsfähig bleiben. Dazu gehören faire Marktbedingungen, ausreichender Pflanzenschutz, verlässliche Arbeitsmöglichkeiten, eine tragfähige Risikovorsorge und Investitionsmöglichkeiten. Wenn wir auch in Zukunft regional erzeugtes Obst wollen, müssen wir diese Voraussetzungen im Blick behalten“, so Wernet.
30.09.2026


