Landtagsabgeordnete Stefanie Wernet und die Kreisvorsitzende der Frauen Union, Doris Watzka, im Austausch über Familien, Gesundheitsversorgung, Pflege, Sicherheit und politische Beteiligung von Frauen

Emmendingen. Wie gelingt es, Familien im Alltag wirklich zu entlasten? Wie sichern wir eine gute medizinische Versorgung auch außerhalb der großen Städte? Was brauchen Menschen, die Angehörige pflegen? Und wie können mehr Frauen ermutigt werden, sich einzumischen und politische Verantwortung zu übernehmen? Über diese und weitere aktuelle Fragen haben sich die Landtagsabgeordnete Stefanie Wernet und Doris Watzka, Vorsitzende der Frauen Union im CDU-Kreisverband Emmendingen, ausführlich ausgetauscht.
Die Verbindung der beiden reicht weit über diesen Termin hinaus. Watzka war bei der Landtagswahl Ersatzkandidatin von Wernet. Gemeinsam waren sie viele Monate im gesamten Landkreis unterwegs. „Wir haben im Wahlkampf sehr viele Gespräche geführt – auf Märkten, bei Vereinen und Betrieben, mit Familien, Ehrenamtlichen und Menschen, die jeden Tag Verantwortung tragen. Diese Gespräche dürfen nach einer Wahl nicht aufhören. Im Gegenteil: Sie sind die Grundlage unserer politischen Arbeit“, betont Wernet. Gerade bei Frauen- und Familienpolitik gehe es aus Sicht der beiden nicht um abstrakte Debatten, sondern um ganz konkrete Lebenswirklichkeiten. Familie sei dort, wo Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernähmen. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, gute Betreuung, Wahlfreiheit und eine Arbeitswelt, die Familie und Beruf miteinander vereinbar mache. „Wer Kinder bekommt, darf nicht das Gefühl haben, sich zwischen Familie, Beruf und finanzieller Sicherheit entscheiden zu müssen“, so Watzka. Ein starkes Elterngeld und eine verlässliche Kinderbetreuung seien deshalb ebenso wichtig wie flexible Arbeitsmodelle. Auch Wernet unterstreicht: „Familien leisten jeden Tag unglaublich viel. Politik sollte ihnen nicht vorschreiben, wie sie leben sollen. Unsere Aufgabe ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen unterschiedliche Lebensentwürfe funktionieren können.“
Gesundheitsversorgung muss auch auf dem Land erreichbar bleiben
Einen breiten Raum nahm die Gesundheits- und Pflegepolitik ein. Für Watzka ist das auch persönlich ein Thema: Bevor sie Lehrerin wurde, absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie kenne daher die Anforderungen an Pflege und medizinische Versorgung aus eigener Erfahrung. Für beide steht fest: Eine gute Gesundheitsversorgung darf nicht davon abhängen, ob jemand in einer Großstadt oder in einer ländlich geprägten Gemeinde lebt. Haus- und Facharztpraxen, Apotheken, Rettungsdienst, Pflegeangebote und Krankenhäuser müssten sinnvoll ineinandergreifen. „Für uns im Landkreis Emmendingen ist das keine theoretische Diskussion“, sagt Wernet. „Wenn Menschen krank sind, interessiert sie nicht, welche staatliche Ebene gerade zuständig ist. Sie wollen wissen, dass Hilfe erreichbar ist – schnell, verlässlich und in guter Qualität.“ Dazu gehöre auch eine langfristig tragfähige Krankenhausversorgung. Das Kreiskrankenhaus Emmendingen sei ein wesentlicher Bestandteil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge im Landkreis. Gleichzeitig müsse die ambulante Versorgung gestärkt und der ärztliche Nachwuchs gerade für den ländlichen Raum gewonnen werden. „Wir brauchen keine Gegensätze zwischen Klinik und Praxis. Wir brauchen Strukturen, die für die Patientinnen und Patienten funktionieren“, so Wernet.
Pflege darf Familien nicht alleinlassen
Besonders wichtig war beiden auch die Situation pflegender Angehöriger. In vielen Familien werde Pflege ganz selbstverständlich übernommen – häufig über Jahre und häufig zusätzlich zu Beruf, Kindererziehung und Haushalt. „Was Angehörige dabei leisten, sieht man von außen oft überhaupt nicht“, sagt Watzka. „Pflege ist nicht nur eine Frage professioneller Einrichtungen. Ein großer Teil findet jeden Tag mitten in unseren Familien statt.“ Für Wernet gehört deshalb zu einer guten Pflegepolitik auch, Angehörige zu beraten, zu entlasten und verlässliche Angebote der Kurzzeit-, Tages- und ambulanten Pflege vorzuhalten. „Wer Verantwortung für Vater, Mutter oder Partner übernimmt, braucht Rückhalt. Diese Menschen halten einen erheblichen Teil unseres Pflegesystems zusammen. Diese Leistung verdient nicht nur Anerkennung, sondern konkrete Unterstützung.“
Freiheit von Frauen braucht Sicherheit
Ein weiteres Thema war der Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt. Beide begrüßen, dass im Landkreis Emmendingen die Schutzstrukturen weiter gestärkt werden. „Jede Frau muss sich darauf verlassen können, dass der Staat sie schützt, wenn sie bedroht oder Opfer von Gewalt wird“, sagt Wernet. Sicherheit sei eine Voraussetzung für Freiheit und Selbstbestimmung – in den eigenen vier Wänden ebenso wie im öffentlichen Raum. Watzka ergänzt: „Bei Gewalt darf es kein Wegsehen geben. Entscheidend ist, dass betroffene Frauen wissen, wohin sie sich wenden können, und dass Schutz und Beratung erreichbar sind.“ Für beide gehört zu moderner Frauenpolitik deshalb mehr als die Debatte über Quoten oder Sprache. Es gehe um gleiche Chancen, wirtschaftliche Eigenständigkeit, Sicherheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Freiheit, das eigene Leben selbst zu gestalten.
„Frauen müssen nicht erst gefragt werden – sie dürfen selbst aufstehen“
Besonders persönlich wurde der Austausch bei der Frage, warum Frauen in politischen Gremien noch immer deutlich schwächer vertreten sind als Männer. Für Wernet ist das ein Thema, das sie seit vielen Jahren begleitet. Ihre politische Arbeit begann vor Ort. Als langjährige Gemeinderätin in Waldkirch, zweite stellvertretende Oberbürgermeisterin und durch ihre Arbeit in der CDU auf Kreis- und Bezirksebene habe sie immer wieder erlebt, wie wichtig kommunalpolitische Erfahrung sei. „Im Gemeinderat lernt man Politik von der Pike auf. Da geht es nicht um große Schlagzeilen, sondern um Schule und Kindergarten, Feuerwehr, Straßen, Wasser, Vereine, Bauplätze oder den Haushalt. Genau dort merkt man, dass Politik das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen gestaltet“, sagt Wernet. Deshalb sei es ihr ein persönliches Anliegen, insbesondere Frauen zu ermuntern, diesen Schritt zu wagen. „Viele Frauen sind längst Verantwortungsträgerinnen – in Familien, Unternehmen, Schulen, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Landwirtschaft oder Ehrenamt. Aber wenn es um ein politisches Mandat geht, fragen sie sich oft zuerst, ob sie genug Zeit haben, genug wissen oder wirklich geeignet sind. Männern begegnet diese Selbstfrage häufig weniger. Ich möchte Frauen sagen: Wartet nicht darauf, dass irgendwann jemand kommt und euch für bereit erklärt. Bringt euch ein. Eure Erfahrung wird gebraucht.“
Auch die gemeinsame Kandidatur mit Doris Watzka sei für Wernet deshalb weit mehr gewesen als eine formale Wahlkonstellation. „Wir wollten zeigen: Zwei bodenständige Frauen aus unserem Landkreis können gemeinsam politische Verantwortung übernehmen und trotzdem ganz unterschiedlich sein. Genau diese Vielfalt tut der Politik gut.“ Watzka sieht in der Frauen Union einen wichtigen Ort für diesen Einstieg. Frauen müssten Gelegenheit haben, sich kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen, Netzwerke aufzubauen und sich gegenseitig zu stärken. „Politik lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Niemand muss dafür eine bestimmte Biografie mitbringen. Entscheidend sind Interesse, Haltung und der Wille, etwas für die eigene Gemeinde und die Menschen vor Ort zu bewegen.“
Aktuelle Initiative „FRAUEN MACHT POLITIK!“ ausdrücklich begrüßt
Wernet und Watzka begrüßen deshalb auch die Veranstaltungsreihe „FRAUEN MACHT POLITIK!“ der Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Ortenaukreis. Im Rahmen der Reihe findet am 13. November 2026 von 16 bis 18.15 Uhr im Haus am Festplatz des Landratsamtes Emmendingen der Workshop „Mein persönliches Vision-Board für die Kommunalpolitik“ für Kommunalpolitikerinnen statt. „Solche Angebote sind wertvoll, weil sie Frauen zusammenbringen und Mut machen, den eigenen Weg weiterzugehen“, sagt Wernet. „Wir brauchen Frauen nicht nur als Wählerinnen. Wir brauchen sie in Gemeinderäten, Kreistagen, Vorständen und Parlamenten.“
Am Ende des Gesprächs waren sich Wernet und Watzka einig: Eine starke Frauenpolitik müsse sich am wirklichen Leben orientieren und dürfe Frauen nicht auf einzelne Themen reduzieren. „Frauen interessieren sich nicht nur für sogenannte Frauenthemen. Sie tragen Verantwortung für unsere Wirtschaft, unsere Kommunen, Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, Vereine und Familien“, sagt Wernet. „Genau deshalb müssen ihre Stimmen überall dort selbstverständlich vertreten sein, wo Entscheidungen getroffen werden.“ Für Wernet und Watzka ist der gemeinsame Austausch deshalb kein Einzeltermin. Sie wollen den Dialog mit Frauen aus dem gesamten Landkreis fortsetzen. „Unsere Heimat lebt davon, dass Menschen nicht nur sagen, was anders werden sollte, sondern bereit sind, selbst Verantwortung zu übernehmen“, so Wernet. „Dafür wollen wir Frauen gewinnen. Verlässlich, verbindlich und fest verwurzelt in unserer Region.“
Bilder: Doris Watzka, Stefanie Wernet
11.09.2026


