
Reute/Wyhl am Kaiserstuhl. Wie kann gute Pflege auch in Zukunft gelingen? Mit dieser Frage hat sich die Landtagsabgeordnete Stefanie Wernet im Rahmen ihrer Sommertour bei einem Besuch des BeneVit-Hauses in Reute beschäftigt. Bereits zuvor hatte sie sich mehrfach im Haus Rheinaue in Wyhl am Kaiserstuhl über das dort seit Jahren erprobte stambulante Versorgungskonzept informiert und sich vor Ort ein Bild von den Erfahrungen aus der Praxis gemacht.
Für Wernet steht dabei nicht ein einzelner Träger oder ein einzelnes Modell im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um die grundsätzliche Frage, wie Politik mit wissenschaftlich begleiteten und in der Praxis bewährten Innovationen umgehen sollte.
„Unsere Pflege steht vor enormen Herausforderungen. Der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und die steigenden Eigenanteile verlangen von uns den Mut, neue Wege zu gehen. Gerade deshalb sollten wir erfolgreiche Modelle nicht nur beobachten, sondern sorgfältig prüfen, ob und wie sie dauerhaft in die Regelversorgung übernommen werden können“, betont Wernet.
Das stambulante Versorgungskonzept wird seit mehreren Jahren wissenschaftlich begleitet und erprobt. Ziel ist es, Elemente der ambulanten und stationären Pflege so miteinander zu verbinden, dass Pflegebedürftige möglichst lange selbstbestimmt leben können und vorhandene personelle Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden. Die bisherigen Erfahrungen aus Wyhl am Kaiserstuhl haben das Modell bundesweit bekannt gemacht und eine fachliche Diskussion über seine Weiterentwicklung angestoßen.
Aktuell bietet das laufende Gesetzgebungsverfahren zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) die Möglichkeit, zu prüfen, wie innovative und wissenschaftlich evaluierte Versorgungsformen künftig im bundesrechtlichen Rahmen besser berücksichtigt werden können. Wernet begrüßt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass sich Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU-Fraktion für eine entsprechende Prüfung und Weiterentwicklung einsetzen. „Natürlich wird kein einzelnes Modell alle Herausforderungen in der Pflege lösen. Das erwartet auch niemand. Aber wir dürfen gute Ansätze nicht allein deshalb beiseitelegen, weil sie nicht jede Frage beantworten. Gerade angesichts des wachsenden Pflegebedarfs müssen wir den Mut haben, wissenschaftlich evaluierte Konzepte ergebnisoffen zu prüfen und dort, wo sie sich bewähren, die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen für eine breitere Anwendung zu schaffen. Stillstand ist jedenfalls keine Antwort auf die Herausforderungen, vor denen wir stehen“, so Wernet.
Nach Auffassung der Landtagsabgeordneten braucht die Pflege weder ideologische Debatten noch ein Festhalten am Status quo. Entscheidend sei vielmehr, was den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Beschäftigten in der Pflege tatsächlich zugutekomme. „Pflege wird sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln müssen. Deshalb sollten wir offen für Innovationen sein, ohne Bewährtes leichtfertig aufzugeben. Wissenschaftlich begleitete Modelle verdienen eine faire und sachliche Bewertung. Wenn sich Konzepte in der Praxis bewähren und einen Mehrwert für die Versorgung bieten, sollten wir den Mut haben, daraus die richtigen politischen Konsequenzen zu ziehen“, erklärt Wernet. Gerade für den ländlichen Raum sei eine verlässliche, wohnortnahe und zukunftsfähige Pflege von großer Bedeutung. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die pflegerische Versorgung langfristig zu sichern. Dazu gehört auch die Bereitschaft, neue Ansätze sorgfältig zu prüfen und gute Ideen weiterzuentwickeln. Nur so werden wir den Herausforderungen der Zukunft gerecht.“
Bild: Kaspar Pfister und Stefanie Wernet
20.08.2026


