Direkt gewählte Abgeordnete zieht erste Zwischenbilanz – Finanzen und Ländlicher Raum im Fokus, kommunale Erfahrung als Leitlinie

Emmendingen/Stuttgart. Hundert Tage nach der konstituierenden Sitzung des 18. Landtags von Baden-Württemberg zieht die direkt gewählte Landtagsabgeordnete Stefanie Wernet eine erste Zwischenbilanz. Seit dem 12. Mai vertritt sie den Wahlkreis Emmendingen in Stuttgart. Die ersten Monate waren für sie geprägt von der parlamentarischen Arbeit in den Ausschüssen, zahlreichen Gesprächen im Wahlkreis und dem Aufbau klarer fachpolitischer Schwerpunkte. „Dass mir die Mitbürgerinnen und Mitbürger das Vertrauen geschenkt haben, unseren Wahlkreis im Landtag vertreten zu dürfen, ist für mich eine große Ehre und zugleich ein klarer Auftrag“, sagt Wernet. „Ich bin hier aufgewachsen, kenne die Region und ihre Strukturen. Dieses Vertrauen möchte ich durch verlässliche Arbeit, Präsenz und einen engen Austausch mit den Menschen rechtfertigen.“
Dass ihr gerade das unmittelbare Votum der Menschen besonders wichtig ist, habe für sie bereits vor der Wahl festgestanden. Wernet hatte bewusst auf eine zusätzliche Absicherung über einen Listenplatz verzichtet. „Für mich war entscheidend, ob mir die Menschen in meinem Wahlkreis zutrauen, ihre Interessen in Stuttgart zu vertreten“, sagt Wernet. „Dieses direkte Vertrauen wiegt für mich besonders schwer. Ich habe dieses Amt mit großer Demut angenommen, aber ebenso mit Tatkraft und dem festen Willen, diesem Vertrauen jeden Tag gerecht zu werden.“
Finanzen und Ländlicher Raum als fachliche Schwerpunkte
Wernet gehört dem Ausschuss für Finanzen sowie dem Ausschuss für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat an. Innerhalb der CDU-Landtagsfraktion ist sie zudem stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Ländlicher Raum, Landwirtschaft und Heimat sowie Sprecherin für Obstbau. Diese Aufgaben bilden die fachlichen Schwerpunkte ihrer parlamentarischen Arbeit. Zugleich versteht Wernet ihr Mandat bewusst umfassender. „Die Ausschüsse geben meiner Arbeit fachliche Schwerpunkte. Die Verantwortung für den Wahlkreis geht darüber hinaus“, betont sie. „Die Menschen beschäftigen Fragen der Bildung, der Gesundheitsversorgung, des Verkehrs, der Pflege, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Sicherheit oder des Ehrenamts ebenso wie finanz- oder agrarpolitische Themen.“ Für Wernet gehört deshalb zum Selbstverständnis einer direkt gewählten Abgeordneten, Anliegen aus der Region unabhängig vom jeweiligen Fachgebiet aufzunehmen, einzuordnen und innerhalb von Fraktion, Ministerien und Verwaltung an die zuständigen Stellen zu tragen.
Kommunale Perspektive aus eigener Erfahrung
Eine wichtige Grundlage ihrer Arbeit ist für Wernet die eigene kommunalpolitische Erfahrung als Gemeinderätin in Waldkirch. „Wer selbst kommunalpolitische Verantwortung trägt, erlebt sehr unmittelbar, wie sich Entscheidungen des Landes vor Ort auswirken“, sagt Wernet. „Man sieht, welche Aufgaben eine Kommune leisten muss, wo finanzielle und personelle Grenzen erreicht werden und an welchen Stellen Vorgaben in der Praxis unnötig kompliziert werden.“ Gerade in einem ländlich geprägten Wahlkreis sei es wichtig, die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kommunen stärker zu berücksichtigen. „Eine kleinere Gemeinde verfügt über andere personelle, finanzielle und strukturelle Möglichkeiten als eine Großstadt. Diese Unterschiede müssen bei politischen Entscheidungen mitgedacht werden“, so Wernet. „Gleichwertige Lebensverhältnisse entstehen nicht durch identische Lösungen, sondern dadurch, dass unterschiedliche Ausgangslagen berücksichtigt werden.“
Den Austausch mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Wahlkreis versteht sie deshalb als festen Bestandteil ihrer parlamentarischen Arbeit. Bei den Antrittsbesuchen gehe es nicht allein um einzelne Projekte, sondern auch um grundsätzliche Fragen kommunaler Handlungsfähigkeit. „In den Rathäusern wird sehr schnell sichtbar, ob eine Regelung praktikabel ist, ob Finanzierung ausreicht und wo Verfahren angepasst werden müssen. Diese Erfahrungen gehören nach Stuttgart.“
Kommunale Handlungsfähigkeit im Blick
Im Finanzausschuss richtet sich der Blick bereits auf den Landeshaushalt 2027. Für Wernet steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie Land und Kommunen auch unter schwieriger werdenden finanziellen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben. „Kommunale Finanzpolitik entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern vor Ort“, sagt Wernet. „Am Ende geht es darum, ob Schulen saniert, Betreuungsangebote gesichert, Infrastruktur erhalten und notwendige Investitionen ermöglicht werden können.“ Ihre Gespräche mit Städten und Gemeinden seien deshalb auch für die Arbeit im Finanzausschuss von besonderer Bedeutung. Gerade in finanziell angespannten Zeiten müsse klar priorisiert, zugleich aber darauf geachtet werden, dass notwendige Investitionen nicht dauerhaft verschoben würden.
Trockenheit und Landwirtschaft früh aufgegriffen
Auch im Ausschuss für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat haben sich in den ersten Monaten konkrete Arbeitsschwerpunkte herausgebildet. Dazu gehören insbesondere die Folgen zunehmender Hitze- und Trockenperioden sowie Fragen der Wasserverfügbarkeit für Landwirtschaft, Obst- und Weinbau. Bereits im Juli brachte Wernet gemeinsam mit weiteren Abgeordneten einen parlamentarischen Antrag zu den Folgen von Hitze und Trockenheit auf den Weg. Thematisiert werden darin unter anderem die Auswirkungen auf Landwirtschaft, Tierhaltung und Weinbau, der Wasserhaushalt sowie Möglichkeiten eines verbesserten Wassermanagements und weiterer Anpassungsmaßnahmen. „Die Folgen von Trockenheit sind für viele Betriebe längst konkrete Realität“, sagt Wernet. „Wer mit Landwirtinnen und Landwirten, Winzerinnen und Winzern oder Obstbaubetrieben spricht, bekommt ein sehr genaues Bild davon, wo Handlungsbedarf besteht.“ Als Sprecherin für Obstbau will Wernet insbesondere die besonderen Anforderungen der Sonderkulturen stärker in die politische Debatte einbringen.
Präsenz vor Ort als Teil des Mandats
Einen großen Teil ihrer ersten 100 Tage hat Wernet im Wahlkreis verbracht. Dazu gehörten Gespräche in Rathäusern, Besuche bei Betrieben und Verbänden, Termine mit Vereinen und sozialen Einrichtungen sowie der direkte Austausch mit Mitbürgerinnen und Mitbürgern. „Politik braucht den direkten Kontakt zu den Menschen“, sagt Wernet. „Ich möchte wissen, was diejenigen beschäftigt, die jeden Tag zur Arbeit gehen, einen Betrieb führen, Verantwortung für Beschäftigte tragen, einen Hof bewirtschaften, Angehörige pflegen oder sich ehrenamtlich engagieren.“ Eine starke Gesellschaft brauche aus ihrer Sicht sowohl Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung als auch Verlässlichkeit gegenüber denjenigen, die Unterstützung benötigten. „Diese Balance ist entscheidend. Politik muss Leistung ermöglichen, Verantwortung anerkennen und zugleich dafür sorgen, dass niemand aus dem Blick gerät.“
Heimat als politischer Bezugspunkt
Für Wernet ist die enge Verbindung zum Wahlkreis nicht nur organisatorischer Bestandteil ihrer Arbeit, sondern persönlicher Bezugspunkt ihres Mandats. „Dieser Wahlkreis ist meine Heimat. Ich bin hier groß geworden und kenne die Unterschiede zwischen unseren Städten, Gemeinden und Ortsteilen“, sagt sie. „Gerade deshalb möchte ich nah an den Menschen bleiben und verstehen, welche Auswirkungen politische Entscheidungen auf ihren Alltag haben.“ Diese Nähe dürfe auch im politischen Betrieb in Stuttgart nicht verloren gehen. „Ein Mandat lebt nicht allein von Sitzungen, Anträgen und Ausschussarbeit. Es lebt davon, dass man zuhört, Zusammenhänge erkennt und die Erfahrungen aus der Region in politische Entscheidungen übersetzt.“
Staatsmodernisierung als übergreifende Aufgabe
Bereits während der Koalitionsverhandlungen war Wernet in die Arbeit zum Themenfeld Staatsmodernisierung eingebunden. Weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, eine leistungsfähige Verwaltung und mehr Handlungsspielräume für Kommunen und Verantwortliche vor Ort bleiben für sie zentrale Leitlinien. Nach 100 Tagen zieht Wernet deshalb bewusst keine abschließende Bilanz. „Hundert Tage sind in einer fünfjährigen Wahlperiode nur ein erster Abschnitt“, sagt sie. „Mein Anspruch an mich selbst: Präsent im Wahlkreis, fachlich gründlich in Stuttgart und verlässlich im Umgang mit den Anliegen der Menschen.“ Besonders wichtig bleibe für sie das Vertrauen der Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Dass mir die Menschen hier zugetraut haben, unsere Region im Landtag zu vertreten, bedeutet mir sehr viel“, sagt Wernet. „Dieses Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit und auch kein Vertrauensvorschuss, auf dem man sich ausruhen darf. Es ist für mich Auftrag und Verpflichtung, jeden Tag aufs Neue gute Arbeit für unseren Wahlkreis zu leisten.“ Dabei sei ihr wichtig, auch nach der Wahl erreichbar und im unmittelbaren Austausch zu bleiben. „Ich möchte, dass die Mitbürgerinnen und Mitbürger wissen: Ihre Anliegen werden gehört und ernst genommen. Ich kann nicht versprechen, dass sich jedes Problem lösen lässt. Aber ich kann versprechen, genau hinzuschauen, mich zu kümmern und dort, wo etwas bewegt werden kann, mit Nachdruck dranzubleiben.“
Ihr Mandat, so Wernet, wolle sie deshalb mit Demut vor dem entgegengebrachten Vertrauen und mit Tatkraft bei der politischen Arbeit ausfüllen.
Ihr Anspruch für die kommenden Jahre bleibt dabei unverändert: verlässlich in der Sache, verbindlich im Umgang und fest in der Region verwurzelt.
20.08.2026


