Trockenheit setzt Landwirtschaft unter Druck: Wernet setzt auf schnelle Hilfe und langfristige Vorsorge

Land reagiert auf Futterknappheit – CDU-Landtagsfraktion hat Hitzefolgen und Wasserverfügbarkeit bereits im Juli parlamentarisch aufgegriffen

Emmendingen. Die anhaltende Trockenheit setzt die Landwirtschaft in Baden-Württemberg und besonders in Südbaden zunehmend unter Druck. Auf Wiesen fehlt vielerorts der notwendige Aufwuchs, Futter wird knapp, Kulturen leiden unter Hitze und Wassermangel. Zugleich trifft die aktuelle Wetterlage viele Betriebe in einer wirtschaftlich ohnehin angespannten Situation. Für die Landtagsabgeordnete Stefanie Wernet müssen deshalb kurzfristige Entlastung und langfristige Vorsorge zusammengehören. „Wer derzeit mit Landwirtinnen und Landwirten spricht und draußen auf den Flächen unterwegs ist, merkt sehr schnell: „Das ist keine abstrakte Debatte über das Wetter. Es geht um Futter, Erträge, Wasser und damit ganz konkret um die wirtschaftliche Stabilität unserer landwirtschaftlichen Betriebe. Wir müssen dort helfen, wo die Trockenheit jetzt unmittelbar Probleme verursacht. Gleichzeitig müssen wir die richtigen Schlüsse für die kommenden Jahre ziehen“, erklärt Wernet.

Das Land reagiert bereits auf die zunehmende Futterknappheit. Am 7. August hat Baden-Württemberg aufgrund erheblicher Ausfälle beim ökologischen Rau- und Feldfutter einen Katastrophenfall im Sinne des europäischen Ökorechts anerkannt. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um die Feststellung einer allgemeinen Katastrophenlage. Betroffene Ökobetriebe mit Raufutterfressern können in begründeten Fällen eine befristete Genehmigung für den Einsatz von nichtökologischem Rau- oder Feldfutter beantragen. Auch für stillgelegte Flächen hat das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat aufgezeigt, unter welchen Voraussetzungen sie zur Futtergewinnung genutzt werden können. Darüber hinaus werden weitere Schritte vorbereitet beziehungsweise geprüft. Dazu gehören zusätzliche Möglichkeiten zur Futtergewinnung auf bislang anders vorgesehenen Flächen sowie die Frage, ob Betriebe bei zusätzlichen Kosten für Futterbeschaffung und Transport unterstützt werden können. „Es ist richtig, dass Landwirtschaftsministerin Marion Gentges und ihr Haus die Lage eng verfolgen und bereits konkrete Handlungsmöglichkeiten eröffnet haben“, sagt Wernet. „Entscheidend ist jetzt, dass wir die Entwicklung weiter sehr genau beobachten und dort, wo weitere Erleichterungen möglich und notwendig sind, praxistaugliche und rechtssichere Lösungen finden. Gerade in einer solchen Situation müssen Verfahren verständlich sein und zusätzliche Bürokratie so gering wie möglich gehalten werden.“

Mit den Folgen zunehmender Hitze und Trockenheit beschäftigt sich auch die CDU-Landtagsfraktion bereits intensiv. Wernet ist stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Ländlicher Raum, Landwirtschaft und Heimat sowie Sprecherin der Fraktion für Obstbau. Unter Federführung der Arbeitskreisvorsitzenden Isabell Huber MdL hat Wernet gemeinsam mit ihren Kollegen der CDU-Landtagsfraktion bereits im Juli zwei parlamentarische Initiativen mit auf den Weg gebracht.

Der Antrag „Hitzefolgen in der Landwirtschaft“ vom 10. Juli nimmt unter anderem Ertragsentwicklung und -stabilität, Produktqualität, Bewässerungsbedarf, Tierhaltung, Weinbau und die langfristige Widerstandsfähigkeit des ländlichen Raums in den Blick. Ende Juli folgte der Antrag „Wasserverfügbarkeit für die Land- und Forstwirtschaft in Baden-Württemberg“. Dabei geht es unter anderem um Grundwasser und Quellschüttungen, landwirtschaftliche Bewässerung, Brunnen, mögliche regionale Nutzungskonflikte und die langfristige Sicherung der Wasserverfügbarkeit. „Wir beschäftigen uns mit diesen Fragen nicht erst, seit die Trockenheit Schlagzeilen macht. Uns war wichtig, frühzeitig belastbare Antworten darauf zu bekommen, wie sich Hitze und Wassermangel auf unsere Landwirtschaft auswirken und wo wir strukturell besser werden müssen“, so Wernet. „Die aktuelle Situation bestätigt, wie wichtig es ist, akute Hilfe und langfristige Vorsorge zusammenzudenken.“

Besondere Bedeutung hat das für den Obst- und Sonderkulturanbau. In der Antwort der Landesregierung auf den CDU-Antrag zu den Hitzefolgen beschreibt das Landwirtschaftsministerium, dass Hitze und Strahlungsstress im Gemüse- und Obstbau zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führen können – etwa durch Fruchtfall, Hitzeschäden, Sonnenbrand oder vertrocknete Früchte. Gleichzeitig verweist das Land bereits auf Fördermöglichkeiten für wassersparende Bewässerungstechnik, Wasserspeicherung und gemeinschaftliche Bewässerungsinfrastruktur. „Für den Obstbau ist Wasser längst eine zentrale Zukunftsfrage“, betont Wernet. „Wir müssen Wasser effizient einsetzen, dort speichern können, wo es sinnvoll und möglich ist, und regionale Bewässerungsstrukturen weiterentwickeln. Gerade bei hochwertigen Sonderkulturen entscheidet eine verlässliche Wasserversorgung zunehmend darüber, ob Ertrag und Qualität gesichert werden können. Wer regionale Lebensmittelproduktion erhalten will, muss diese Infrastruktur mitdenken.“

Die Rückmeldungen aus der landwirtschaftlichen Praxis unterstreichen den Handlungsdruck. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband weist für Südbaden auf Ertragseinbußen, fehlenden Grünlandaufwuchs, Futterknappheit sowie den zusätzlichen wirtschaftlichen Druck durch Kosten und Erzeugerpreise hin. Der Verband hat unter anderem Liquiditätshilfen, Unterstützung bei Futtertransporten, Flexibilität bei Förderauflagen und eine langfristige Sicherung der Wasserversorgung für die Landwirtschaft angemahnt. Auch der Deutsche Bauernverband rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Ernte und warnt insbesondere für Süddeutschland davor, dass auf vielen Flächen kaum Futter nachwächst. „Diese Rückmeldungen aus der Praxis nehmen wir sehr ernst“, sagt Wernet. „Nicht jede Frage liegt in der Zuständigkeit des Landes und nicht jede Forderung lässt sich eins zu eins umsetzen. Aber wir müssen wissen, wo auf den Höfen der größte Druck entsteht. Genau deshalb sind der direkte Austausch mit den Betrieben, die Arbeit im zuständigen Arbeitskreis und die enge Abstimmung mit unserem Landwirtschaftsministerium so wichtig.“

Für Südbaden kommt die besondere Situation als Grenzregion hinzu. Auch Bundestagsabgeordnete aus Südbaden haben darauf aufmerksam gemacht, dass die Entwicklung des grenzüberschreitenden Futtermittelmarktes derzeit genau beobachtet werden muss. Hintergrund ist, dass die Schweiz aufgrund der eigenen Trockenheit die Einfuhr von Futtermitteln erleichtert hat. Seit Anfang August wurden die Grenzbelastungen für Heu und Grassilage aufgehoben; vom 15. August bis Ende Oktober entfallen für bestimmte Futtermaisimporte Zoll und Garantiefondsbeitrag.

Für Wernet ist dabei wichtig, die Interessen der Landwirtschaft auf beiden Seiten der Grenze im Blick zu behalten: „Die Landwirtschaft leidet auf beiden Seiten der Grenze unter der Trockenheit. Deshalb sollten wir deutsche und Schweizer Betriebe nicht gegeneinander ausspielen. Gleichzeitig ist der Futtermittelmarkt grenzüberschreitend, und das Angebot ist derzeit angespannt. Deshalb ist es richtig, dass auch der Bund die Entwicklung bei Verfügbarkeit und Preisen aufmerksam verfolgt und prüft, ob weiterer Handlungsbedarf besteht.“

Für Wernet zeigt die aktuelle Situation deshalb vor allem eines: Landwirtschaftspolitik muss kurzfristig handlungsfähig sein und zugleich über die nächste Ernte hinausdenken. „Unsere Landwirtschaft braucht jetzt Handlungsspielraum und Verlässlichkeit. Gleichzeitig müssen wir bei Wasser, Bewässerungsinfrastruktur, Risikovorsorge und widerstandsfähiger Landwirtschaft langfristiger denken. Unsere heimische Landwirtschaft produziert Lebensmittel, sichert Wertschöpfung in unseren Regionen und prägt unsere Kulturlandschaft. Dafür braucht sie Rahmenbedingungen, mit denen die Betriebe auch unter schwierigeren klimatischen Bedingungen wirtschaften können. Genau daran arbeiten wir gemeinsam, im Landtag, in unserem Arbeitskreis und mit unserem Landwirtschaftsministerium.“

15.08.2026